Zwischen Auer, Tramin und Margreid schreiben Reben ihre geraden Zeilen in den Hang. Am Abend bleibt nur Struktur.
Das Unterland trägt seine Wärme nicht weich, sondern konzentriert. Auf den Hängen stehen die Reben in Linien, als hätte jemand Geduld sichtbar gemacht. Zwischen den Reihen liegt roter und dunkler Stein, trockenes Gras, der Geruch von Staub und Most, und darüber ein Licht, das jede Kante nachzeichnet.
In Tramin wird der Name des Weines beinahe zu Klang. In Margreid wirkt eine Hauswand plötzlich älter als der Tag. Auer liegt am Talboden, nah an der Etsch, wo Fahrräder, Züge und Wasser dieselbe Richtung kennen. Alles bewegt sich nach Süden und bleibt doch in kleinen Gesten hängen.
Wenn die Sonne verschwindet, werden die Blätter schwarzgrün, die Drähte silbern, die Mauern warm. Das Unterland erzählt dann nicht von Fülle, sondern von Ordnung: geschnittene Ruten, gebundene Zeilen, ein Jahr, das im nächsten schon wieder beginnt.