Unter den Brücken sammelt die Passer den Klang der Stadt. Wasser, Schritte und Sprachen ziehen gemeinsam durch Meran.
Die Passer kommt aus den Bergen und wird in Meran nicht gezähmt, nur begleitet. Promenaden laufen neben ihr her, Brücken legen kurze Pausen über das Wasser, und die Stadt hört ihrem eigenen Rauschen zu. Alles Elegante hier hat eine nasse, steinige Unterseite.
Am Kurhaus glänzt ein anderes Jahrhundert, aber darunter bleibt der Fluss gegenwärtig. Kofferrollen, Kaffeeduft, Regenmäntel, helle Fassaden, Palmenblätter, Stimmen auf Deutsch und Italienisch: Meran mischt diese Dinge, ohne sie ganz zu versöhnen.
Wenn die Passer nach Regen lauter wird, verliert die Stadt kurz ihre höfliche Haltung. Dann spürt man, dass ihre Milde nicht weich ist. Sie steht am Wasser, unter Hängen, vor Bergen, und sie weiß es.