In den Lauben hallt Bozen doppelt. Jedes Wort findet eine zweite Kante, jeder Platz einen anderen Schatten.
Bozen spricht nicht in Harmonie, sondern in Nähe. Unter den Lauben wechseln Wörter die Seite, ohne den Ort zu verlassen. Deutsch und Italienisch liegen im Pflaster, in Schildern, in kurzen Zurufen, in der Art, wie Menschen einander Platz machen oder nicht.
Am Waltherplatz öffnet sich die Stadt für einen Moment, dann ziehen Gassen und Arkaden den Blick wieder zusammen. Märkte riechen nach Obst, Leder, Kaffee, Regen auf Stein. Bozen ist nicht glatt. Es ist eine Stadt, die aus Reibung Wärme gewinnt.
Über allem stehen die Hänge, der Porphyr, die Seilbahnen nach oben. Doch das Zentrum bleibt unten, dort, wo Schritte dichter werden. Wer Bozen verstehen will, muss nicht zuerst auf den Berg schauen, sondern auf die Übergänge zwischen den Stimmen.