Der Kalterer See erwärmt sich im Juli deutlich, doch nördlich des Ufers bleibt es durch Schilfgürtel und Zuflüsse aus der Rastenbachklamm spürbar kühler. Wer am Ostufer startet und nach St. Josef am See quert, merkt den Temperaturwechsel innerhalb weniger Minuten.
Am Ufer wirkt das Wasser zunächst einfach: nah, zugänglich, von Licht überzogen. Doch wer stehen bleibt, hört das Schilf kratzen und sieht, wie schnell die Oberfläche ihre Farbe wechselt. Der Kalterer See ist nicht nur mild; er ist ein Spiegel mit dunklem Grund.
Von Altenburg fällt die Rastenbachklamm hinunter, kühl und eng, als wollte sie dem warmen See eine andere Stimme geben. Über den Hängen liegen Reben, Wege, Ruinen, und weiter im Wald beginnen die Übergänge nach Montiggl. Das Überetsch lebt von solchen Nachbarschaften, Wasser neben Stein, Sommer neben Schatten.
Abends wird der See flach wie Metall. Dann treten die Geräusche zurück, und der Blick bleibt an den Hängen hängen. Nichts muss dramatisch sein, um lange nachzuwirken.